• Hunde barfen

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Ernährungsberatung Hunde

Ernährungsbedürfnis Hund

Der Hund wird als fakultativer Omnivor bezeichnet was bedeutet, dass der Hund auf fleischbasierte Nahrung angewiesen ist aber durchaus geringe Mengen Pflanzliches verträgt. Von seinem Vorfahren, dem Wolf, hat er sich zwar etwas weiter hin zum Menschen entwickelt, aber der Verdauungstrakt beweist, dass er Fleischfresser geblieben ist. Geringe Kohlenhydrat-aufspaltende Enzyme erlauben ihm auch einen kleinen pflanzlichen Anteil bzw. Kohlenhydrate. Gegenüber der Katze, die als obligater Carnivor bezeichnet wird und auf ausschließlich Fleisch angewiesen ist, da sie keine kohlenhydratspaltenden Enzyme hat und lediglich für die Darmmotorik einen sehr geringen Anteil an Ballaststoffen benötigt.

Hunde als Rudeljäger verschlingen gerne größere Portionen auf einmal, bis zur Magenüberladung. Dafür wiederum kommen sie auch mal mit kleinen Fastenzeiten gut zurecht. Die passenden Futterbestandteile müssen ausgewogen sein, orientieren sich am Beutetier und müssen im richtigen Verhältnis gefüttert werden. Die Mahlzeit besteht aus Zutaten wie Fleisch, Fett, Innereien, Knochen, Gemüse und Obst und weitere natürliche Bestandteile. Anders als bei der Katze können Kohlenhydrate als Energielieferant in kleinen Mengen eingesetzt werden. Wichtige Kriterien bei der Auswahl der Futterbestandteile sind auch Verdaulichkeit, Herkunft und Qualität. Die artgerechte  und nährstoffdeckende Fütterung berücksichtigt unter anderem den individuellen Bedarf an Energie, tierischen Proteinen und Fetten, Mineralstoffen und Vitaminen sowie zusätzlich Ballaststoffe für eine gute Darmperistaltik.

Der Bedarf und die Zusammensetzung der Fütterung verändert sich in bestimmten Situationen wie Lebensalter, Gewicht, Stoffwechsel und Krankheiten und sind immer individuell.

 

 

Fertigfutter

Bei der Wahl des passenden Fertigfutters muss die Zusammensetzung den Anforderungen einer artgerechten Hundeernährung entsprechen, wobei auch die Qualität der Zutaten wichtig ist. Ideal sind mind. 50% Muskelfleisch und wenig schwer verdauliche Bestandteile sowie bedarfsdeckende Inhaltsstoffe. Ein Futter mit höherer Energie und guter Verdaulichkeit hat eine geringe Fütterungsempfehlung. Nicht immer werden alle Inhaltsstoffe benannt, die Nährstoffabdeckung kann daher oft nur bedingt geprüft werden. Da sich jedes Futter in der Zusammensetzung unterscheidet, ist Abwechslung sinnvoll. Nährstoff-Defizite können so besser ausgeglichen  werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, fehlende Nährstoffe im fertigen Futter mit Zusätzen aufzuwerten. Bei der Abwechslung ist darauf zu achten, dass Futter unterschiedlicher Hersteller mit ähnlicher Qualität genutzt werden und nicht zu oft gewechselt wird, da ansonsten die Verdauung zu stark belastet wird.

 

BARF / Roh oder Gekocht

BARF steht für biologisch artgerechtes rohes Futter. Grundsätzlich orientiert man sich bei der Zusammensetzung der Nahrung am Beutetier. Die Nährstoffe werden über die natürlichen Zutaten gedeckt und nur mögliche Versorgungslücken werden mit Zusätzen ergänzt. Das Beutetier besteht aus Fleisch, tierischem Fett, Knochen, Innereien, Blut, Darminhalt und Fell. Daraus leiten sich die Hauptbestandteile des Futters ab. Individuell auf den Hund abgestimmt besteht die hochwertige Fütterung aus Muskelfleisch, Innereien, rohen-fleischigen-Knochen, Pansen, Obst und Gemüse und natürlichen Zusätzen wie beispielsweise Omega-3-Öle. Getreide und Milchprodukte sind optional möglich, sollten aber nur einen kleinen Teil der Nahrung ausmachen. Die Ballaststoffe für eine gute Verdauung werden über die Zugabe von Obst und Gemüse erreicht. Bei größeren Hunden verteilt man die Nährstoffe über die Woche, bei kleinen Hunden nutzt man Komplettmenüs mit täglicher Nährstoffabdeckung.

Über die selbst gewählten Zutaten hat man großen Einfluss auf Qualität und Verdaulichkeit der Nahrung. Viele gesundheitliche Probleme aber auch das Verhalten können durch die artgerechte Fütterung deutlich verbessert werden. Dies führt zu mehr Wohlbefinden und Aktivität. Weitere Vorteile sind beispielsweise: Die Futterakzeptanz wird erhöht, Besserung von Haut, Fell und Muskulatur, üble Gerüche verschwinden, Auswirkung auf die Zahngesundheit, Kontrolle und Vermeidung von Futterunverträglichkeiten und Allergien, bessere Kotbeschaffenheit und Frequenz wird reduziert und viele mehr.

In bestimmten Situationen nutzt man auch Gekochtes. Die Zusammenstellung der Ration ist identisch mit der Rohfütterung. Hier ist zu beachten, dass hitzeinstabile Nährstoffe verloren gehen und wasserlösliche Nährstoffe in das Kochwasser übergehen. Daher sollte das Kochwasser immer mit verfüttert werden. Die verlorenen Nährstoffe müssen mit ausgleichenden Zusätzen ergänzt werden.

 

Kombinierte Fütterung

Möchte man kombiniert füttern, kommt es auf die richtige Strategie an.
Füttert man hauptsächlich bedarfsdeckendes und hochwertiges Nassfutter und ergänzt nur gelegentlich ein wenig Fleisch, roh oder gekocht, ist das noch kein Problem. Pures Fleisch zum Fertigfutter zu füttern ist in der Umstellungsphase sinnvoll oder wenn sicher ist, dass alle Nährstoffe gedeckt werden.

Wechselt man zwischen Fertigfutter und Fleisch, jeweils als vollwertige Mahlzeiten, dann muss die Fleischmahlzeit nach den Prinzipien einer Barf-Ration nährstoffdeckend erstellt werden. Reines Fleisch dazu füttern ist nicht ausreichend, vor allem nicht, wenn das parallel genutzte Fertigfutter auch nicht alle Nährstoffe deckt! Die eigentliche Schwierigkeit ist, dass die Nährstoffabdeckung im Fertigfutter nur bedingt prüfbar ist, da oft nicht alle Bestandteile bekannt sind. Möchte man dennoch Beides kombinieren, dann muss auch das Fertigfutter nährstoffdeckend sein. Außerdem ist zu beachten, dass nicht täglich sondern nur in langen Intervallen gewechselt wird, denn Fertigfutter und Rohes sind unterschiedlich Verdaulich. Eine gute Kombination benötigt also einen guten Plan.

 

Trächtigkeit, Laktation und Aufzucht / Wachstum

Der Energiebedarf steigt während der Trächtigkeit und ist auch in der Laktation stark erhöht.
Für das Muttertier ist in der letzten Phase vor der Geburt und nach der Geburt hochwertige, leicht verdauliche und nährstoffreiche Kost ideal, da die Nährstoffe über die Milch an die Welpen weitergegen werden. Der Bedarf des Muttertieres erhöht sich in der Zeit der Laktation. Sobald die Welpen anfangen eigenes Futter zu fressen sinkt parallel zur Futterumstellung der Welpen auch der Energiebedarf wieder auf das normale Niveau.

Der Energiebedarf der Welpen ist zu Beginn ebenfalls hoch und sinkt nach einiger Zeit wieder kontinuierlich bis das Tier ausgewachsen ist. Im Wachstum der Welpen muss die Nährstoffzusammensetzung laufend überprüft werden. Mit Unterstützung von Wachstumskurven und Gewichtsentwicklung wird die Ernährung regelmäßig angepasst, um ernährungsbedingte Skeletterkrankungen vorzubeugen. Zudem entwickelt sich das Immunsystem im Laufe dieser Zeit erst aus.

 

Senioren

Ältere Hunde benötigen weniger Energie und je nach Gesundheitszustand ggf. eine angepasste Ernährung. Fängt man frühzeitig mit einer artgerechten Fütterung an ist dies eigentlich die beste Prophylaxe fürs Alter.

Durch sinkendem Stoffwechsel und nachlassender Aktivität sinkt der Energiebedarf, Organleistung und die Muskelmasse verringern sich. Eine Eingeschränkte Beweglichkeit durch Gelenkverschleiß ist möglich und auch die Verdauungsleistung nimmt ab. Das Immunsystem und die Sinne lassen nach und die Rekonvaleszenz Zeiten verlängern sich. Ältere Hunde sind anfälliger für Stress und Krankheiten.

Ziel bei der Ernährung von Senioren ist die Erhaltung von Gesundheit und dem Körpergewicht sowie Erkrankungen vorzubeugen. Dies erreicht man am besten mit besonders leicht verdaulicher Kost mit viel hochwertigem Protein zur Erhaltung des Gewebes und weniger Fett durch den geringeren Energiebedarf. Ein Futter mit stärkerem Geruch wird zudem meist leichter akzeptiert.

 

Ernährung bei Krankheiten

Eine artgerechte Fütterung dient der Prophylaxe. Ist der Hund dennoch erkrankt, kann durch eine angepasste Ernährung zielgerichtet unterstützt werden. Die Zusammensetzung des Futters ist abhängig von der Diagnose, Dauer und Schwere der Erkrankung und muss auch auf den individuellen Bedarf des Hundes abgestimmt sein. Ziel der angepassten Fütterung ist eine Besserung der Beschwerden oder sogar Beseitigung von Symptomen, aber das kommt ganz auf die Erkrankung an. Die Fütterung ist dabei ein langer Prozess, der fortlaufend angepasst und engmaschig kontrolliert werden muss. Dabei ist die Zusammenarbeit mit dem behandelnden Tierarzt sinnvoll, um Behandlungen, Medikamente und Fütterung aufeinander abzustimmen.

Die Ernährung hat Einfluss beispielsweise auf Magen-Darm-Problematiken, Verdauungsproblemen, Gelenkerkrankungen, Erkrankungen von Leber, Niere und Bauchspeicheldrüse, Harnwegserkrankungen, Krebs, Herzerkrankungen, Endokrine Erkrankungen (Hormonelles System + Stoffwechsel, wie Diabetes mellitus, Schilddrüse, Morbus Cushing und Addison). Wie stark die Ernährung Einfluss hat, ist abhängig von der jeweiligen Erkrankung. Ein positiver Einfluss ist aber immer gegeben.

Bei Allergien und Unverträglichkeiten ist zudem eine Ausschlussdiät notwendig, um die auslösende Substanz zu ermitteln und bei der Fütterung vermeiden zu können. Nach einer Ausschlussdiät wird dann die neue Fütterung schrittweise wieder aufgebaut. Zudem kann je nach Situation geprüft werden, ob die Futtermittel nach einiger Zeit wieder vertragen werden. Zusätzlich sollte hier auch der Zustand der Darmflora geprüft und unterstützt werden.

Bei Übergewicht ist je nach aktueller Fütterung oft auch eine Futterumstellung auf hochwertigere und artgerechtere Kost sinnvoll. Meist korrigiert sich das Gewicht dann von alleine, wenn die Energie und das Futter zum Tier passend ist. Bei stärkerem Übergewicht muss die Mengenanpassung schrittweise erfolgen, da eine zu schnelle Gewichtsabnahme weitere Gesundheitsgefahren birgt. Übergewicht kann langfristig zu weiteren Erkrankungen führen, wie zum Beispiel Diabetes, Gelenk Probleme, Kreislauferkrankungen.

 

Darmgesundheit

Im Darm befindet sich der größte Teil des Immunsystems, fast 80%. Ist der Darm angegriffen bzw. aus dem Gleichgewicht, äußert sich dies vielfältig wie beispielsweise mit Juckreiz, Durchfälle aber auch Futtermittelunverträglichkeiten und vieles mehr. Schon mit einer nicht artgerechten Ernährung oder Stress verändert sich die Darmflora. Medikamente, häufige Entwurmungen, Krankheiten, Umwelt und andere Einflüsse wirken sich auf die Darmgesundheit aus. Besteht das Problem länger, können sich auch daraus Darmerkrankungen bilden.
Oft ist es aber umgekehrt, dass eine Grunderkrankung schon länger besteht und sich daraus ein Problem im Darm entwickelt, also meist als Sekundärerkrankung auftritt. Daher ist bei Problemen mit der Darmgesundheit immer zu prüfen, ob auch andere Erkrankungen vorliegen.

Neben der tierärztlichen Diagnostik bezüglich der Erkrankungen geben Kot-Untersuchungen Auskunft über den Zustand im Darm, ob das Gleichgewicht der natürlich vorkommenden Bakterien besteht oder ob sich bereits Pathogene, Parasiten oder Pilze angesiedelt haben, die dort nicht sein sollen. Mit diesen Ergebnissen kann der Darm gezielt wieder in sein Gleichgewicht gebracht werden, mittels Präparate für den Darmflora-Aufbau passend. Eine gesunde Darmflora und eine artgerechte Ernährung sind die wichtigsten Bausteine für die Gesundheit!