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„Eine Katze kann meine Worte nicht verstehen und auch nicht meine Gedanken lesen. Wenn meine Katze etwas nicht versteht, habe ich es falsch erklärt!“

Interview mit Anke Giesemann über ihre Arbeit als Trainerin mit ihrem Filmkater Filou

Du trainierst mit deinem Kater Filou nicht nur aktiv Zuhause, sondern gehst auch auf Messen, führst mit ihm Medical Training und verschiedene Tricks und Übungen vor. Auch im TV kann man eure Zusammenarbeit immer wieder bewundern – wie bist du zu diesem Beruf gekommen?

Hauptberuflich bin ich nach wie vor Informatikerin, aber ich war schon immer ein großer Tierfreund. Als Kind durfte ich nur Kleintiere halten, habe aber schon damals Tieren immer etwas beibringen, sie trainieren wollen. Einfach um den Tieren Lebensfreude zu geben. Mein Kindheitstraum war es lange Tigerdompteurin zu werden, doch das konnte ich nicht realisieren. Und dann kam Filou in mein Leben, eigentlich zunächst in das meiner Tochter. Ich verdiene also mein Geld mit einem ganz normalen Beruf. Die Auftritte mit Filou sind mein Hobby. Da ich recht flexible Arbeitszeiten habe, funktioniert das ganz gut.

 

Wie alt ist Filou und wie habt ihr euch kennengelernt? Wie lange arbeitet ihr schon zusammen?

Filou wird dieses Jahr 16. Er war ursprünglich eigentlich der Kater meiner Tochter. Wir haben ihn als Jungtier von einem Reiterhof geholt, wo er seine ersten Lebenswochen draußen gelebt hat und wahrscheinlich auch draußen geboren wurde. Er und andere Kätzchen sollten getötet werden, aber am Ende konnten zum Glück alle in ein Zuhause vermittelt werden. Filou muss damals etwas älter als 16 Wochen gewesen sein als er zu uns kam. Zu Beginn bin ich emotional nicht an ihn rangekommen, irgendwie hatten wir keine Verbindung zueinander. Meine Tochter sagte mir dann damals: "Mami, du musst mit ihm arbeiten!" So fing das ganze an, völlig ungeplant. Filou war sehr verrückt als junger Kater, ist er heute noch. Jedes Jahr anders verrückt. Deshalb liebe ich ihn so. Er hatte schon damals keine Angst vor Feuer und hat Kerzen mit seinem Maul ausgemacht oder aus einem Kaktus mit spitzen Stacheln Stellen ausgebissen - ohne sich zu verletzen. Er hat Löcher in Tischdecken reingebissen und Stoff gefressen (Anmerkung Cat Institute: Wenn Sie so ein Verhalten bei Ihrer Katze beobachten, lassen Sie unbedingt abklären, ob es sich um ein Pica-Syndrom handelt!) und ich dachte, ich müsste bald zur Not-OP mit ihm. Also habe ich alles weggenommen und weggepackt, was gefährlich sein könnte. Er war und ist ein sehr agiler Kater. Eine Mischung aus EKH (Anmerkung: Europäisch Kurzhaar) und BKH (Anmerkung: British Kurzhaar) und das merkt man seinem Temperament an: er ist nicht ganz so spritzig wie eine Hauskatze, aber auch nicht so phlegmatisch wie eine British Kurzhaar Katze.

Da ich mich schon immer für die Dressur von Großkatzen interessiert und viel darüber gelesen habe, baute ich für Filou einen Parcours Zuhause nach. Zudem habe ich mit ihm Anti-Stress-Training gemacht, damit wir alles was er lernt, auch draußen und vor Publikum aufführen können. Ohne Anti-Stress-Training kann man keine Katze ruhigen Gewissens auf eine Messe oder öffentliche Vorführung mitnehmen. Zu Beginn hatte Filou immer ein Geschirr an und war an der Leine. Inzwischen brauchen wir das nicht mehr. Er orientiert sich komplett an mir und bleibt in meiner Nähe. Durch das intensive Training ist er sehr stark auf mich fixiert. Dadurch kann ich ihn aber auch kaum allein lassen, er hat extreme Verlustängste.

 

Anke & Birga
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Was habt ihr gemeinsam schon erleben dürfen? Und wie hast Du Birga Dexel kennengelernt?

Wir haben etwa 2005 richtig angefangen. Das erste Mal waren wir dann zusammen im Spree-Center, Nicole Müller war auch da. Filous erster gelernter Trick war Pfötchen geben. So kamen wir zu unserem ersten Bericht in der Berliner Morgenpost.

2006 haben wir dann auf der Heimtiermesse Birga Dexel kennengelernt und danach waren wir gemeinsam noch auf vielen weiteren Messen unterwegs. Birga war es, die mir und Filou das Clickertraining gezeigt hat. Vorher hatte ich mit Filou ohne Clicker trainiert, aber es ist ein Hilfsmittel zum Lernen, mit dem es einfach schneller und besser geht. Denn ein Mensch ist in seiner Reaktionsfähigkeit, seinem Lob viel zu langsam und nicht präzise. Ein Clicker hilft dabei sehr. Ich verwende heute noch den Clicker, den mir Birga damals gegeben hat.  Filou ist so gut auf diesen Clicker konditioniert, dass ich ihn immer noch verwende. Birga und ich hatten viele schöne und prägende gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen gesammelt auf Vorträgen, Seminaren und Messen, wie z.B. in der Berliner Wissenschaftsinstitution Urania Berlin. Die Urania macht wissenschaftliche Erkenntnisse auch einem Laienpublikum zugänglich. Birga hielt dort einen wissenschaftlichen Vortrag zum Thema Verhaltensbiologie, Verhaltensproblemen von Katzen und den Grundlagen des Clickertrainings: Filou und ich konnten den Zuhörern praxisnah zeigen, wozu Katzen fähig sind. Ein anderes Mal waren wir zusammen unterwegs und plötzlich habe ich Birga schreien hören. Als ich mich umsah, kam ein Labrador auf uns zu. Ich habe mich ihm direkt in den Weg gestellt und ihn vertreiben können. Filou ist nicht weggerannt, er vertraut mir, dass ich ihn beschütze. Das ist unsere Abmachung: Ich vertraue ihm, dass er nicht abhaut und er mir, dass ich ihn schütze. Durch Birgas Warnung konnte ich ihn aus dieser Situation retten.
Zum Thema Zweitkatze hatte ich mich auch mal direkt an Birga gewandt, um nichts Falsches zu tun. Sie hat mir - für unseren Fall - davon abgeraten. Auch wenn ich selbst sehr viel über Katzen weiß, lerne ich immer noch dazu und finde es toll, eine Super-Katzenexpertin zu kennen, an die ich mich immer wenden kann, egal zu welchem Katzenthema.

 

Filou löst Puzzle
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Kannst du uns mehr über das Medical Training erzählen, dass ja auch Teil unseres Clickertrainings ist?

Viele Katzen haben große Probleme damit zum Tierarzt zu fahren. Nicht nur der Gang in die Transportbox und die Autofahrt, auch die Untersuchungen selbst lassen sich trainieren. Alles, was bereits vertraut ist, macht nicht mehr so große Angst und löst weniger Stress aus. Filou wird immer wieder für Auftritte in Sendungen und für Filme gebucht. Wir treten auch auf einer Parcours-Show in Karlsruhe auf. Da führe ich auch immer das Medical Training vor. Ich imitiere dabei Untersuchungen, die eine Katze im Laufe ihres Lebens beim Tierarzt über sich ergehen lassen muss. Wir zeigen typische Handgriffe, wie in die Augen, Ohren und ins Maul schauen, aber imitieren auch mit einem Zahnstocher (Anmerkung: geschlossener Kugelschreiber auch möglich) eine Spritze. Natürlich deuten wir hierbei den Eingriff nur an. Ich knete insgesamt an Filou rum, wie auch ein Tierarzt es möglicherweise machen würde, wenn er zum Beispiel den Bauch untersuchen würde. So lernen Katzen, dass es nicht schlimm ist, wenn sie angefasst werden. Denn beim Tierarzt erwarten sie eh schon fremde Menschen, unbekannte Räumlichkeiten und fremde, eklige Gerüche und dann wird man noch so komisch angefasst. Gute Tierärzte lassen es sogar zu, dass man im Rahmen des Trainings einfach mal mit der Katze vorbeikommt (zum Beispiel, wenn man eh Medikamente abholen muss), ohne das untersucht oder behandelt wird. So können die Katzen sich mit dem Weg und der Praxis, den Menschen dort und den Gerüchen vertraut machen. Alles im Rahmen des Trainings natürlich und mit viel Belohnung wie ihrem Lieblingsfutter vor Ort, gegeben vom Praxispersonal. Und danach gleich viele tolle positive Erlebnisse, damit der Besuch mit positiven Erfahrungen überlagert wird. So mache ich das auch beim Blutabnehmen zum Beispiel, das ist sehr unangenehm, Filou soll aber so wenig bleibende negative Erinnerungen wie möglich daran haben.

Und was mir besonders wichtig ist: Auch wenn ihr eure Katzen für völlig gesund haltet, geht auf Nummer sicher und besucht spätestens ab dem 7. Lebensjahr jährlich den Tierarzt und lasst einen kompletten Gesundheitscheck machen. Katzen verstecken Erkrankungen, Unwohlsein und Schmerzen, sie sind eben nicht nur Raubtiere, sondern auch Beutetiere. Viele Katzen leben auch mit unentdeckten Erkrankungen lange, viele andere aber nicht und leiden zu lange und sterben zu früh. Wenn eure Katze Angst vor dem Tierarztbesuch hat, lässt sich das üben.

 

Filou auf dem Weg zum Dreh.
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Wonach entscheidest du, welche Angebote du für Filou und dich annimmst?

Ich habe schon einige Erfahrungen mit Filou gesammelt, deshalb weiß ich genau, was geht und was nicht. Auftritte, die zum Beispiel in der prallen Sonne ohne Schattenplätze stattfinden sollen, machen wir gar nicht. Filou arbeitet nicht gerne in der prallen Sonne. Wir waren einmal bei „Deutschland sucht das Supertalent“ und wollten die Bühne für den Auftritt kennenlernen. Gleichzeitig hat da ein Klavierspieler seinen Auftritt geprobt. Es war viel zu laut, Filou ist zwar nicht weggerannt, er wollte aber auch nicht trainieren.

Deshalb sage ich bestimmte Formate schon vorher ab. Ich schaue mir die Umstände an oder erkundige mich sehr genau. Bei Showvorführungen im Freien ohne Schattenplätze sage ich ab. Bei Filmprojekten möchte ich immer erstmal das Drehbuch sehen, um zu schauen, ob die Umstände passen und ob die Ideen überhaupt umsetzbar sind. Sonst mache ich auch aktiv Gegenvorschläge. Bei einem Filmauftritt waren da einige andere Katzen und Hunde. Filou reagiert auf andere Katzen aggressiv, also mussten alle anderen Katzen erstmal woandershin. Bei Hunden kann es manchmal gut klappen. In diesem speziellen Fall mussten aber diese weg, damit wir mit Filou in Ruhe arbeiten konnten und er nicht zu abgelenkt war. Bald sind wir auch in einem Tatort zu sehen.

 

Filou und die Tatort-Übung
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Wie macht ihr das so auf Reisen und in Hotelzimmern? Wo kommt ihr unter und was muss man dabei beachten, wenn man mit Katzen verreist?

Katzen gelten als sehr territorial. Doch wenn man sich als Mensch viel mit ihnen beschäftigt, stärkt das die Bindung zum Menschen und diese wird stärker als die zum Revier. Wenn Menschen also in den Urlaub fahren oder umziehen und ihre Katze im alten Revier zurücklassen, kann das der Katze große seelische Schmerzen zufügen. Das ist vielen gar nicht bewusst. Filou und ich haben eine starke Bindung, überall wo ich mich wohl fühle, fühlt er sich auch wohl. Das erleichtert das gemeinsame Reisen sehr.

Autofahren hat von Anfang super geklappt. Ich habe keine typische Transportbox aus Plastik. Nachdem ich einen Crashtest beim ADAC zu dem Thema gesehen habe und wie gefährlich diese Plastikboxen bei einem Unfall sein können, habe ich einen Hundetransportkorb geholt. Der besteht aus Stahlstäben und blickdichtem Stoff, sowie blickdurchlässigem Stoff (nicht gut für Kamikazekatzen, die sich mit ihren Krallen befreien wollen 😉) und man kann sie zusammenklappen. Für Raststätten nutze ich ein Katzengeschirr und zusätzlich ein dreifach gesichertes Hundegeschirr, damit er sich nicht befreien und auf die Straße laufen kann. So können wir uns aber beide sicher die Beine vertreten. Filou kann allerdings Reißverschlüsse öffnen, er hat es durchs Zuschauen bei mir gelernt. Bei einer Autofahrt auf der Autobahn zum Abend hin, hörte ich es hinten die ganze Zeit rascheln und irgendwann habe ich seinen Kopf im Rückspiegel gesehen. Ich bin direkt mit der Geschwindigkeit runtergegangen, Filou kam nach vorne und ist dann aber wieder nach hinten gegangen. Seitdem sicher ich die Reißverschlüsse mit einem Schloss. Ich habe auch so überall Kindersicherungen, Filou bekommt alles auf.

Bei der Suche nach einem geeigneten Quartier für uns beide, frage ich vorher an. Oft sind Hunde erlaubt und dann frage ich einfach nur, ob der Hund auch eine Katze sein darf. Ich erzähle von Filou, auch dass er gut trainiert ist und vor allen Dingen kastriert. Viele haben Angst, dass Katzen markieren könnten und ihnen reicht die Info, dass eine Katze kastriert ist. (Anmerkung: Jede Katze, männlich oder weiblich, jung oder alt und kastriert oder unkastriert kann markieren). Filou markiert zwar die Außengrenzen seines Reviers draußen im Garten, aber hat noch nie in der Wohnung markiert.

Katzen haben das Grundbedürfnis zu kratzen und sich zu strecken. Wenn ich also weiß, ich bleibe irgendwo länger, nehme ich senkrechte und waagerechte Kratzmöglichkeiten mit. Zum Beispiel so eine Bodenplatte mit einer Kratzstrange, ganz simpel. Dann geht Filou auch nicht an Hotelmöbel. Natürlich nehmen wir auch ein Katzenklo mit und da Katzen ja doch viele Haare verlieren auch viele Decken und Tücher. Damit decken wir dann alle Polster, Sofas, Stühle, etc. ab und schaffen gleichzeitig weitere Kuschel- und Schlafmöglichkeit für Filou. Generell auch liebgewonnene Kuscheldecken und Spielzeug, damit er etwas Heimisches in fremder Umgebung hat. Zudem müssen auch immer die jeweiligen Lüftungsmöglichkeiten in einer Unterkunft bedacht werden. Die Fenster sind oft nicht gesichert. Zuweilen gibt es Jalousien oder ähnliches, ich mache es so, dass ich Filou anleine und dann ordentlich durchlüfte. Dann wird alles wieder geschlossen und Filou darf sich frei bewegen. Ich schwitze lieber als permanent Angst um meinen Kater zu haben. Er geht nicht durch gekippte Fenster, aber sicher sein kann man sich da nie! Bei mir Zuhause sind alle Fenster und der Balkon gesichert. An den Fenstern habe ich Insektenschutznetze mit Metallrahmen. Die akzeptiert Filou und ich kann meine Fenster weit öffnen. Der Balkon hat ein Katzenschutznetz. Sicherheit ist mir sehr wichtig.

Filou möchte auch im Urlaub oder unterwegs beschäftigt werden, sonst ist er gelangweilt und macht Unsinn. Ich suche mir immer Unterkünfte aus, wo ich mit ihm an der Leine spazieren gehen kann. Dafür frage ich direkt an oder schaue mir auch bei Googlemaps die Umgebung genau an. Bisher hatten wir nur positive Erfahrungen gemacht und dürfen überall hin wo wir schon waren auch wiederkommen.      

 

 

Was ist das Besondere an der Arbeit mit Filou?

Er reagiert unwahrscheinlich gut auf Trainingsangebote. Ich mache sehr viel mit ihm, laste ihn körperlich und geistig aus. Filou lebt in Wohnungshaltung, aber wir gehen raus, also praktizieren den sicheren Leinengang, Mit Filou kann man Gassi gehen wie mit einem Hund. Das hat natürlich ein langfristiges Training erfordert, bevor das so geklappt hat. Aber ich denke mir immer, eine Katze kann über 20 Jahre alt werden, da lohnt es sich die Zeit zu investieren.

Das besondere bei Filou ist, dass er sich immer wieder bei mir rückversichert. Er schaut mich immer an, wenn er gerade unsicher ist und ich gebe ihm dann den notwendigen Zuspruch. Er ist kein selbstbewusster Kater durch und durch, aber er reagiert toll und hat richtig Lust zu arbeiten. Er schnurrt sehr viel dabei und speichelt vor Aufregung. Er zeigt immer genau, worauf er gerade Lust hat. Filou ist sehr aufmerksam, manchmal etwas übereifrig. Wenn ich mich nicht genug mit ihm beschäftige, ist er unausgelastet und wird sehr anstrengend, mauzt viel und fordert die Interaktion richtig ein. Oder er schmeißt Sachen vom Regal, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Er zeigt damit, dass ihm langweilig ist und er möchte, dass ich mich um ihn kümmere. Da ich nicht von Filou konditioniert werden möchte und damit er nicht zu übergriffig wird, laste ich ihn präventiv aus. Also erfülle sein Bedürfnis nach geistiger und körperlicher Auslastung, bevor er auf solche Tricks zurückgreifen muss. So lässt er mich auch nachts gut schlafen, weil er zufrieden und ausgelastet ist.

 

Filou ist inzwischen 16. Habt ihr schon mal ans Aufhören gedacht?

Ich schon, Filou nicht 😉 Vor zwei Jahren habe ich mit Filou eine Abschlussvorstellung gemacht. Ich wollte aufhören, dachte, das wäre für Filou gut. Aber er wollte weitermachen und hat das richtig eingefordert. Er hat unglaublich gerne Publikum und er liebt Applaus. Wenn eine Katze so etwas nicht mag, wird es schwierig mit öffentlichen Auftritten. Sobald Filou eine Kamera sieht, ist er gar nicht mehr zu bremsen. Die Bewunderung von mir alleine, die er Zuhause bekommt, reicht ihm nicht. Er ist ein Kater, der gerne und viel bewundert werden möchte. Das ist eine wichtige Voraussetzung für Auftritte. Ich lasse ihm dabei völlig freie Hand, lasse ihn frei laufen, er entscheidet, wer aus dem Publikum ihn streicheln darf. Solange es also Filou Spaß macht, werden wir weitermachen.

Ich wurde auch schon gefragt, ob es einen Nachfolgekater geben wird. Doch Filou mag keine anderen Katzen, ich kann also nicht parallel noch mit anderen arbeiten. Er soll seinen Lebensabend genießen können. Ich möchte ihn nicht vor den Kopf stoßen. Er soll in Ruhe sehr alt werden dürfen. Wenn Filou unpässlich wird, werde ich Veranstaltungen absagen. Er steht unter meiner genauen Beobachtung, auch medizinisch wird alles überwacht. Wir machen nichts, was nicht gut ist für Filou.

 

Übung vor Publikum
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Wieso könnte das Parcourslaufen nicht nur für Filou, sondern auch für andere Katzen spannend sein?

Katzen sind hoch intelligent und lernen unglaublich gerne und vor allen Dingen immer wieder neue Sachen. Zudem macht die Arbeit mit Tieren Spaß. Und eine Katze freut sich, dass der Mensch sich freut, zum Beispiel wenn eine Übung gut gelungen ist. Viele machen den Fehler zu schnell aufzugeben, weil sie frustriert sind, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt.

Wichtig ist, dass das Training nicht nebenbei gemacht wird, während vielleicht noch der Fernseher läuft oder das Radio. Man muss zu 100 Prozent dabei sein und seine Aufmerksamkeit seinem Tier widmen. Nur so kann nonverbale Kommunikation funktionieren. Eine Katze kann meine Worte nicht verstehen und auch nicht meine Gedanken lesen. Wenn meine Katze etwas nicht versteht, habe ich es falsch erklärt. Jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung muss gerade zu Beginn des Trainings belohnt werden. Die Katze spiegelt unser Engagement und auch unsere Freude, wenn etwas gelingt – vorausgesetzt sie ist echt. Und dann versucht sie auch alles richtig zu machen. Training mit Katzen ist einfach Freude pur, ein wunderschönes Erlebnis. Viele Katzen werden noch anhänglicher und schmusiger durch das Training.

Ich sage das auch immer wieder auf Messen und bei Vorträgen: Diese Zeit mit der Katze muss ja nicht lange dauern, gerade am Anfang. Den meisten Katzen reichen ein paar Minuten am Tag. Wer die nicht erübrigen kann, ist mit einem Stofftier besser dran.

 

Unterm Birnbaum: Pause bei Dreharbeiten
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Was macht dir am meisten Spaß bei der Arbeit mit Katzen?

Ich möchte anderen Menschen zeigen, dass man Katzen beschäftigen kann! Und dass das gängige Klischee, dass Katzen sich nicht trainieren lassen, nicht stimmt. Es werden so viele Katzen abgegeben, ausgesetzt oder ins Tierheim gebracht, weil sie kratzen, beißen oder die Tapeten hochgehen. Bei Hunden weiß man direkt, sie sind nicht ausgelastet. Bei Katzen sagen viele noch: „Typisch Katze“. Das ist eine klassische Ausrede, um selbst nichts zu machen. Viele stellen ihren Katzen dann ein Fummelbrett hin zur Selbstbeschäftigung und gehen weg. Katzen wollen aber Interaktion und gerne etwas mit ihren Haltern zusammen machen. Zudem lernen sie durch Ausprobieren, aber vor allem auch durch Zuschauen. Warum also auch nicht ein Fummelbrett zusammen lösen? Auch im Mehrkatzenhaushalt freuen sich Katzen auf die Interaktion mit Menschen, auch wenn sie sich miteinander beschäftigen können. Katzen bekommen sehr viel mehr Lebensfreunde durch Beschäftigung. Vor allen Dingen geistige Förderung wird unterschätzt, diese lastet noch mehr aus. Sie hilft dabei, dass Katzen nicht einfach so vor sich hinleben, wie es leider bei vielen Wohnungskatzen der Fall ist. Wer rastet, der rostet, heißt es doch so schön. Katzen, die beschäftigt werden, leben gesünder und länger.

Clickertraining ist mit jeder Katze möglich. Wichtig ist auch Katzen nicht zu überfordern, sondern zu schauen, was bringt jede individuell mit, was kann eine Katze eh schon besonders gut, was könnte sie noch lernen. Filou liegt zum Beispiel anders als viele andere Katzen nur ungern auf dem Rücken. Ich habe versucht ihm eine Rolle beizubringen, aber das hat gar nicht geklappt. Er mag es nicht, weil er es auch an sich schon nicht gerne tut. Dafür macht er viele andere Sachen. Auch Ataxiekatzen oder Katzen mit anderen körperlichen Einschränkungen lieben das Clickertraining, da muss man aber vielleicht etwas umdenken und sich andere Übungen überlegen und jeden Schritt in die richtige Richtung belohnen. Die meisten Katzen blühen regelrecht auf, wenn sie das passende Angebot bekommen.

Filous und meine Mission ist es, den Menschen zu zeigen: Katzen lassen sich wunderbar trainieren, sie machen es sogar gerne, denn Katzen kann man nicht zu etwas zwingen, was sie nicht wollen!

 

Anke & Filou
© A. Giesemann

 

 

 

Tipp

Wer Anke und Filou einmal life sehen möchte:
Sie sind vom 07.-08.03.2020 auf der Haustiermesse Wien zu Gast.