Gefährdungsfaktoren

Gefährdungsfaktoren und Schutzbemühungen

Schneeleoparden sind durch ein komplexes Zusammenwirken diverser Faktoren, die je nach Verbreitungsland unterschiedlich gewichtet sind, in ihrem Überleben bedroht:

  • Wilderei für den internationalen und nationalen Handel mit Fellen, Knochen und Lebendexemplaren Bild entfernt.Foto 186 Bild entfernt.Foto 170
  • Drastische Reduzierung der natürlichen Beutetiere durch nationale Ausbeutung und durch die internationale Trophäenjagd durch europäische, US-amerikanische und russische Hobbyjäger
  • Habitatverlust und Konflikte mit der in weiten Teilen des Verbreitungsgebiets expandierenden Viehwirtschaft durch kirgisische Sommernomaden

Bild entfernt.Foto 168

  • Illegale Trophäenjagd auf Schneeleoparden (Tadjikistan und Mongolei)
  • Potentielle tiefgreifende Gefährdung der von Schneeleoparden bewohnten Ökosysteme durch den fortschreitenden Klimawandel, das dadurch bedingte Abschmelzen von Gletschern und in einigen chinesischen Gebieten aufgrund von Atomtests mögliche Spätfolgen durch radioaktive Belastung.

Der Schneeleopard steht sowohl international als auch national in allen zwölf Herkunftsländern unter striktem Schutz. Die Art ist im Anhang I der Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES), dem  Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA), gelistet. Dies bedeutet, daß weder mit Lebendtieren noch mit Teilen und Produkten internationaler Handel betrieben werden darf. Der innerstaatliche Handel kann hingegen nur durch nationale Bestimmungen unterbunden werden; CITES greift nur im internationalen Kontext.

Laut OECD und Interpol Berichten beläuft sich der Gewinn, der mit dem legalem und illegalem Artenhandel jährlich erwirtschaftete wird, auf 100 Milliarden US-$. Dabei werden durchschnittlich jedes Jahr rund 40.000 Primaten, über 1 Million Orchideen, 4 Millionen Vögel, 10 Millionen Reptilienhäute, 15 Millionen Pelze und viele andere Lebendexemplare von Tieren und Pflanzen, Teilen und Produkte kommerziell gehandelt. Gerade der illegale Artenhandel erzielt bei relativ niedrigem Risiko hohe Gewinne, der in seiner Höhe nur knapp durch den illegalen Drogenhandel übertroffen wird (vgl. Dexel 1996 und 2001).

Der Druck hat sich seit der Auflösung der früheren Sowjetunion Anfang der 90er Jahre und dem dadurch verursachten Zusammenbruch alter Schutzregime auf wildlebende Schneeleoparden in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet enorm erhöht. Unter dem Sowjetregime genoß der Schneeleopard theoretisch wie praktisch höchsten Schutz - nur vom Regime Begünstigte durften seine Jagdreviere betreten. Die nicht vorhandenen bzw. laschen Grenzkontrollen innerhalb der betroffenen Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) ermöglichen einen einfachen Weitertransport zu den Handelszentren in dem autonomen chinesischen Gebiet Xinjiang (dort insbesondere die Stadt Kashgar) sowie Russland (Kaliningrad und Moskau). Von dort gelangen sie auch immer wieder in die zukünftigen EU-Staaten Polen und Ungarn.

Neben dem Handel sind weitere Gefährdungsfaktoren die fortschreitende Erschließung von Naturräumen u.a. in Form von einer in einigen Teilen des Verbreitungsgebiets (insbesondere in Tibet, Indien, Nepal und Pakistan) zu beobachtende Intensivierung der Weidewirtschaft (vgl. Jackson 1992 ). Die daraus resultierende Degradierung und Fragmentierung, bis hin zum Verlust von Lebensräumen, hat dazu geführt, daß Populationen immer stärker voneinander isoliert werden und Korridore, die Habitate miteinander verbinden von immer größerer Bedeutung werden (vgl. Fox 1992).

Schutzräume für Schneeleoparden

In den Ursprungsländern gibt es 133 zumindest auf dem Papier gültige Schutzgebiete, mit potenziellen Schneeleopardenhabitat. Nur in einem Bruchteil dieser Gebiete gibt es Wildhüter oder ein auf Schneeleoparden ausgerichtetes Schutzkonzept. Über den ökologischen Zustand dieser Gebiete und ob diese flächenmäßig ausreichen ist zudem wenig bekannt. (vgl Green 1992)

!! Hier Tabelle einfügen: habe ich als MAIL geschickt

Land

Anzahl der geschützten Gebiete

1) China (5 Provinzen)

15

2) Kirgistan

7

3) Mongolei

17

4) Nepal

8

5) Indien

54

6) Kasachstan

1

7) Tadschikistan

1

8) Pakistan

27

9) Bhutan

2

10) Afghanistan

1

11) Russland

Keine Angaben bei Green

12) Usbekistan

Keine Angaben bei Green

Quelle Green 1992

 

Wilderei und Trophäenjagd auf Beutetiere

Schneeleoparden sind auch indirekt durch die, in einigen Regionen vermutlichweise drastische Reduzierung ihrer Hauptbeutetiere, zu denen verschiedene Wildschafe wie Marco-Polo Schafe (Ovis poli), Argilis (Ovis ammon), Blauschafe (Pseudois nayaur), Markhor Wildziegen (Capra Falconieri), Steinböcke (Capra (ibex)sirbirica) und Pufferbeutetiere wie Murmeltiere (Marmota spp) und Pikas (Ochotona spp) zählen, gefährdet (Cunha 1995). Diese Arten werden zur Fleischsupplementierung, oder im Fall der Murmeltiere auch für den nationalen Fellmarkt von Einheimischen gejagt. Viele der wichtigen Beutetiere des Schneeleoparden sind ebenfalls interessante Trophäen. Die internationale Trophäenjagd wird von vielen zentralasiatischen Staaten gefördert, da sie als schneller Devisenbringer betrachtet wird. Vielerorts werden Quoten nicht auf der Basis von wissenschaftlichen Erhebungen, sondern nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gesetzt. (vgl. Jackson 1995, Mc Carthy 1994 und Cunha 1995).

Die Trophäenjagd reduziert Populationen und führt ebenfalls dazu, daß Schneeleoparden verstärkt gezwungen sind, Nutztiere zu reißen (vgl. Oli 1992 und Buzurukov 1992), was wiederum zu direkten Konflikten mit Hirten führt (vgl. auch Terendeleg 1992). Darüber hinaus drängen amerikanische und japanische Jäger darauf, Schneeleoparden selbst als Trophäen zu erlegen (vgl. Galpin 1999).