Begegnungen mit Wölfen

Im Einsatz für wildlebende Feliden hatte ich selber mehrmals die Chance Wölfen, wildlebenden und in Gefangenschaft gehaltenen sowie in Gefangenschaft geborenen Wölfen zu begegnen.

Begegnung mit einem wildlebenden Wolfsrudel in Kirgistan

Ich selbst durfte im Rahmen meiner Arbeit als Projektkoordinatorin des bilateralen Schneeleopardenschutzprojektes in Kirgistan mehrmals Kontakt mit wildlebenden Wölfen erleben.

Im Hochgebirgs Issyk-Kul Biosphärenreservat traf ich eines Nachts vor der Jurte, in der ich bei einer Wildhüterfamilie übernachtete auf ein Rudel Wölfe als ich zum Klohäuschen musste. Es war Hochsommer im Hochgebirge auf circa 300 Meter Höhe; mir war übel von der vergorenen Stutenmilch, die man mir nach einem langen Ritt zu unserem Nachtquartier gereicht hatte. Vergorene Stutenmilch (Kirgiisch: кымыз) Kumys gehört zur Alltagsnahrung asiatischer Steppenvölker und ist leicht alkohohlhaltig. Nach den Strapazen des Tagesritts und der Anpassung an die Höhe lecker, aber für einen mitteleuropäischen Magen dann wohl doch zu schwer bekömmlich. Ich erreichte das rettende Klohäuschen nicht, sondern musste mich auf der Hochebene übergeben. Plötzlich bemerkte ich Wolfsilhouetten, die mich aus einiger Entfernung beobachteten. Ich war zu sehr mit meinem Magen beschäftigt, um mir darüber Gedanken zu machen, ob ich Angst verspüren sollte oder nicht. Wölfe wurden in Kirgistan zu dieser Zeit stark bejagt und es war ein Kopfgeld von 50 Dollar auf sie ausgesetzt, so dass die Tiere äußerst scheu sind und den Menschen meiden. Letztendlich war ich zu fasziniert von den Tieren, dass ich nur schon staunend das Rudel eine Weile bewunderte und mich dann langsam wieder in Richtung Hütte zurückzog. Aus Angst die Wildhüter könnten dem Wolfsrudel nachstellen vermied ich über die Begegnung an diesem Abend zu sprechen. Wenig später trafen wir jedoch auf der Expedition auf den Wolfmann Werner Freund, der in Deutschland einen Wolfspark eingerichtet hatte und dafür bekannt geworden war, dass er mit seinen Wölfen lebte. Er war zur selben Zeit in Kirgisistan und es tat gut sich mit ihm über mein Erlebnis auszutauschen.

Den nächsten Kontakt hatte ich im alten Zoo von Karakol, einem sehr heruntergekommenen Ex-Sowjet-Tiergarten, der von einem Deutschen übernommen worden war. Man hatte mit deutschen Spenden ein neues Wolfsgehege gebaut und dort wurde verletzte und Wolfswaisen gehalten. Die kirgisische Tierärztin und die einheimischen Tierpfleger hatten alle einen sehr engen Kontakt zu den Tieren und gingen im Gehege ein- und aus. Die ehemaligen Wildwölfe hatten anscheinend großes Vertrauen zu den Menschen, die sich um sie kümmerten gewonnen.

Zurück in Deutschland durfte ich einige Male zusammen mit der Wolfpflegerin Tanja Askani im Wildpark Lüneburger Heide unter Aufsicht mit ins Wolfsgehege.

Aber die beeindruckendesten Erlebnisse sind immer das unerwartete Aufeinandertreffen mit wildlbenden Wölfen. In Brandenburg traf ich mit einer Freundin auf einem Ausritt am frühen Abend auf einen einzelnen Wolf. Die Pferde hatten das Tier vor uns bemerkt und warren nervös. Wir befanden uns am Fuße eines Hanges und wollten den Reitweg hinaufgaloppieren. Bevor wir noch die Galopphilfen geben konnten waren unsere beiden Pferde schon losgalloppiert. Vor uns sahen wir wie oben auf dem Hang ein Wolf über den Reitweg  in seiner einzigartigen schwebenden Bewegung huschte. Es war nur ein kurzes Augenblick, der uns aber nachhaltig im Gedächtnis blieb,

Weitere Infos:

https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Freund

 

 

BG-Image